Johann Sebastian Bach in Dornheim

Crotus Rubeanus - der berühmteste Dornheimer

(von Rolf Stangenberger) 

Wappen Crotus RubeanusDer 1480 in Dornheim geborene Humanist Johann Jäger (Crotus Rubianus) gilt als einer der berühmtesten Bürger der Gemeinde. Lange Jahre war er unter anderem Rektor der Erfurter Universität.
Die Universität in der heutigen Landeshauptstadt wurde im Jahre 1392 gegründet und entwickelte sich schnell zu einem herausragenden geistigen Zentrum im deutschsprachigen Raum. Die Bildungsstätte war auf Bitten der Bürger beim Erzbischof von Mainz als nichtkirchliche Universität gegründet worden; sie wurde im 16. Jahrhundert Mittelpunkt des deutschen Humanismus; sie war in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts die einzige deutsche Hochschule, an der katholische und evangelische Religion nebeneinander gelehrt wurden; hier wurden Studenten nicht nur in kirchlichen, sondern auch im bürgerlichen Recht unterwiesen.
Kein Wunder also, dass sich unter den etwa 35000 hier immatrikulierten Studenten auch Martin Luther, Ulrich von Hutten und eben Johann Jäger befanden, den bald eine herzliche Freundschaft mit Martin Luther verbunden haben soll. Wenige Jahre später begegnete Crotus Rubeanus in Fulda, wohin er vor der Pest geflüchtet war, Ulrich von Hutten. Mit ihm entfloh er aus dem Kloster zunächst für kurze Zeit nach Köln ( die dort 1388 gegründete Universität war übrigens die erste nichtkirchliche in Deutschland) und dann nach Erfurt, wo er 1507 sein Magisterexamen ablegte und bis zum Wintersemester 1509/10 blieb. Crotus Rubianus folgte dann einer Berufung an die damals berühmte Fuldaer Klosterschule, deren Leiter er wurde. Hier bezog er im Religionsstreit um die von dem Humanisten Johannes Reuchlin geäußerten Ansichten dessen Partei und verfasste die ersten „Dunkelmännerbriefe". Während eines Italienaufenthaltes erwarb Crotus großes Ansehen bei der dort fortschrittlich denkenden Gelehrtenwelt; zum großen Wendepunkt seiner Entwicklung wurde aber die Bekanntschaft mit den Schriften und Ansichten Martin Luthers, für dessen reformatorische Gedanken er sich begeisterte und einsetzte.
Titelblatt RektoratDas Professorenkollegium der Universität Erfurt wählte den 1520 aus Italien zurückgekehrten wissenschaftlichen Streiter, den aus einfachen Dornheimer Verhältnissen stammenden Crotus Rubianus zum Rektor der Universität. In dieser Eigenschaft soll er 1521 Luther auf dessen Weg nach Worms in Erfurt herzlich begrüßt und anschließend zum Wormser Reichstag begleitet haben. Der Bruch mit dem reformatorischen Gedankengut und damit mit Luther vollzog sich Ende der 20er Jahre des 16. Jahrhunderts. Die sich abzeichnende lutherische Orthodoxie und die Glaubensstreitigkeiten unter den Reformierten forderten Crotus Rubianus heraus und trieben ihn in den folgenden Jahren in die Arme der katholischen Kirche zurück.
Luther verzieh dem ehemaligen Mitstreiter diesen Rückfall nie und titulierte ihn „Dr. Kröte", zumal Crotus in den 30er Jahren sogar in den Dienst des Erzbischofs von Mainz getreten und von diesem als Kanonikus in Halle eingesetzt worden war. Es kam in den folgenden Jahren sogar zu einem schriftlichen Disput zwischen den beiden ehemaligen Freunden und Streitern.
Crotus starb vor Luther, wahrscheinlich um 1539. Genaueres über das Wann und Wo weiß man nicht. Mag die konfessionelle Wandlung Crotus auch verschiedenartige Deutungen und Wertungen erfahren: es bleiben die oben angeführten Verdienste des Humanisten, des Dornheimer Bürgers.

Mit der Einrichtung einer Heimatstube im Jahre 2001 wurde dem sicher bekanntesten Dornheimer Bürger mit einer Vitrine gedacht.Anläßlich seines 525.Geburtstages konnte im Bürgergemeinschaftshaus Dornheim eine Tafelausstellung eröffnet werden.Auf 18 Ausstellungstafeln ist das Leben und Wirken des Humanisten Crotus Rubianus dargestellt.Seit dem 8.9.2006 befindet sich die Ausstellung im neugeschaffenem Dornheimer Heimatmuseum auf dem Galände der Traukirche von J.S.Bach und kann von Interessierten nach Voranmeldung besucht werden.