Der Freundeskreis zur Erhaltung der Traukirche von Johann Sebastian Bach e.V.

Wenn in Dornheim vom „Freundeskreis“ gesprochen wird, weiß jedes Kind, worum es geht. Mit seinen Aktivitäten und Veranstaltungen ist er inzwischen ein herausragender Bestandteil der dörflichen Gemeinschaft geworden.
Inzwischen ist der Freundeskreis weit über die Grenzen des Dorfes im In- und Ausland bekannt und geachtet. Doch wie hat alles angefangen?
freundeskreis01Es begann im Januar 1996, als die Kirchengemeinde sich dazu entschloß, sich mit einem Aufruf an alle Bürger von Dornheim zu wenden, um die historisch wertvolle Kirche zu retten. Zwar gab es in den zurückliegenden Jahren einige Versuche, den baulichen Verfall des Gotteshauses aufzuhalten. Trotzdem gelang es der Kirchgemeinde mit eigenen Mitteln und Kräften nicht, die zunehmenden Schäden an der Kirche zu beheben. Hintergrund des Aufrufes zur Rettung der Kirche war ein gemeinsames Angebot des Fördervereins für Denkmalpflege in Thüringen,des Landeskirchenamtes und des Landesamtes für Denkmalpflege die Gemeinden finanziell zu unterstützen, die mit örtlichen Engagement etwas für die Erhaltung ihrer Kirche beitragen wollen. Damals bewegte alle die Frage: Wird es möglich sein, mit einer Startfinanzierung die Initialzündung zur Restaurierung der Kirche zu geben, die allen Bewohnern des Dorfes zur Herzensache wird?
freundeskreis02Heute kann man zurückblickend sagen, dass dieses Vorhaben geglückt ist und das ganze Dorf in Bewegung gebracht hat.
Am 22. Februar 1996 gründete sich im Gemeindesaal der Kirchgemeinde der „Freundeskreis zur Erhaltung der Traukirche von Johann Sebastian Bach e.V.“. Zum Vorsitzenden des Vereins wurde Siegfried Neumann gewählt, dessen Name seitdem untrennbar mit den Aktivitäten des Vereins verbunden ist. Seinem Engagement ist letztlich fast alles zu verdanken, was bisher in der Kirche und ihrem Umfeld restauriert und gebaut wurde. Ihm gelang es, die Bevölkerung des Dorfes – ungeachtet der gesellschaftlichen oder religiösen Überzeugungen – für die Kirche zu interessieren und zu aktivieren. All diese Aktivitäten wurden durch tatkräftige Unterstüzung der Bürger, wie auch der Gewerbetreibenden des Ortes geleistet. Dabei wurde ständig Wert auf das Gespräch und einen Ausgleich der Interessen zwischen der Kirchgemeinde und dem Freundeskreis gelegt.

Nach der feierlichen Wiedereinweihung der Kirche 1999 stellte sich der Freundeskreis die Aufgabe, auch das Umfeld neu zu gestalten. So wurde das Gemeindehaus umfassend rekonstruiert, dabei eine Wohnung geschaffen, ein neues Dorfmuseum gebaut und als Begegnungsstätte das „Bachstübchen“ errichtet. Im Jahr 2012 konnte nun auch endlich die unbedingt notwendige Sanierung des Kirchturmes vollendet werden. Allein dafür wurde eine Summe von knapp 134.000 € ausgegeben, was nur mit großer Unterstützung der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands und zahlreicher Sponsoren möglich war. In unzähligen Arbeitseinsätzen nach Feierabend und an den Wochenenden erwirtschafteten die Vereinsmitglieder zusammen mit den Bewohnern des Dorfes in den Jahren von 1996 bis 2015 einen Wertumfang von 939.425,73 €, davon durch Eigenleistung 168.085,12 € und durch Eigenmittel 318.684,01 € des Freundeskreises, die sich hauptsächlich aus Spenden und aus dem Verkaufserlös von Broschüren, Karten und Souvenirs zusammensetzten, oder aber auch bei den Benefizkonzerten eingenommen wurden. Besonders bemerkenswert ist, daß von 1997 bis 2002 bei Haussammlungen insgesamt 23.843 DM von der Bevölkerung gespendet wurden. Sämtliche Kirchenbänke wurden gestiftet und neu eingebaut.
Da auch nach der Rekonstruktion der Kirche sich aufsteigende Feuchtigkeit an den Außenwänden zeigte, wurde ein Drymat-System im Jahr 2008 instaliert und damit eine deutliche Senkung der relativen Luftfeuchtigkeit in der Kirche erreicht werden.
Gegenwärtig zählt der Verein 180 Mitglieder in vielen Orten der Bundesrepublik sowie der Schweiz, den Niederlanden, den USA und Japan. Freundschaftliche Kontakte verbinden den Freundeskreis inzwischen auch mit anderen Vereinen und Gemeinschaften. Eine breite Öffentlichkeitsarbeit brachte der Kirche allein im Bachjahr 2000 über 27.850 Besucher aus der ganzen Welt. Zu den Publikationen in der Presse kamen viele Berichte über die Dornheimer Kirche in den Medien, sowie Rundfunk- und Fernsehaufzeichnungen verschiedener Sender. Im August 2000 wurde der Freundeskreis zur Erhaltung der Traukirche von Johann Sebastian Bach in Dornheim mit dem Thüringischen Denkmalschutzpreis ausgezeichnet.
Dank der vielseitigen Initativen des Freundeskreises unter der Leitung von Siegfried Neumann ist heute die Traukirche von Johann Sebastian Bach in Dornheim eine Perle unter den Dorfkirchen Thüringens geworden.

Weitere Schwerpunkte waren die Neugestaltung des Kirchenvorhofes, die Errichtung einer Natursteinmauer am Friedhofseingang und damit verbunden der Aufbau eines Bachdenkmals und Restaurierungsarbeiten am Gemeindehaus mit Neueindeckung des Daches sowie des Torhauses. Im Jahre 2005 konnte mit dem „Bachstübchen“ eine von den Mitgliedern des Freundeskreises aber auch von Bürgern anderer Orte gern genutzte Begegnisstätte geschaffen werden.

Der Kirchturm, dessen unterster Teil als ältester erhaltener Bau der Kirche aus dem 12.Jahrhundert stammt und der nach dem Kirchenbrand von 1631  im Jahre 1647 erneuert wurde, zeigte bereits am Beginn des 19. Jhd. Neigunserscheinungen. Risse im Mauerwerk machten auf die Ernsthaftigkeit der baulichen Schäden aufmerksam. Eine gründliche Untersuchung des Baugrundes ergab, das kein tragfähiges Fundament vorhanden ist und das ablaufende Regenwasser zu Setzungserscheinungen geführt hat. Nachdem durch gemeinsame Anstrengungen der Kirchgemeinde, der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands und des Freundeskreise die erhebliche Bausumme gesichert war, wurde 2012 eine umfassende Sanierung des Kirchturmes durchgeführt. Anläßlich des Erntedankfestes, am 7.Oktober 2012, begingen die Dornheimer mit einem Turmfest die Beendigung der Restaurierungsmaßnahmen. Der Freundeskreis, der jetzt auf 20 Jahre erfolgreiche Arbeit zurückblicken kann, hat sich weitere Aufgaben gestellt. Dazu gehören die Restaurierung des Epitaph von Christoph von Ensenbergk und die Schaffung eines Denkmals für Crotus Rubianus, des berühmtesten Sohn unseres Dorfes.

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